
Definition: Innovation
Innovationen sind die erstmaligen wirtschaftlichen Verwertungen von Neuerungen (Inventionen). Innovationen sind gekennzeichnet durch Neuartigkeit, die Generierung von Nutzen und ökonomische Verwertbarkeit. Innovationen sind zielgerichtet und lösen ein technisches, wirtschaftliches, organisatorisches oder soziales Problem (Franken & Franken, 2020, S. 248).
Der Innovationsbegriff erfordert damit neben der Neuartigkeit (z. B. einer technologischen Invention) auch einen wirtschaftlichen Erfolg bei der Umsetzung und Verbreitung der Idee (Eckert, 2019, S. 8). Innovation ist damit etwas anderes als eine Erfindung (Invention), die die Vorstufe zur Innovation darstellt bzw. darstellen kann. Erfindungen erfolgen geplant oder zufällig (Kupfer, 2020, S. 30) und generieren neues Wissen oder neue Ideen.
Quelle: INNO/H – Einführung in das Innovationsmanagement, S. 8
Definition: Erfindung
Eine Erfindung (Invention) bezieht sich auf die Generierung von Wissen und die Findung von Ideen. Sie kann geplant oder auch zufällig erfolgen und ist eine Vorstufe der Innovation (Franken & Franken, 2020, S. 248).
Quelle: INNO/H – Einführung in das Innovationsmanagement, S. 9
Die von der Firma 3M entwickelten Post-it-Haftnotizen sind hier exemplarisch als Beispiel zu betrachten, um zu zeigen, wie Invention und Innovation, aber auch geschicktes Marketing voneinander abhängen können und wie dabei aus einer ursprünglich als bedeutungslos erscheinenden Erfindung ein innovatives und sehr erfolgreiches marktfähiges Produkt wurde.
Die Entwicklung von Post-it als Beispiel für eine klassische Technology-Push-Innovation
Die Erfindung: 1968 (und nicht, wie im Skript angegeben, 1974) entwickelte der 3M-Forscher Dr. Spencer Silver einen neuartigen Klebstoff mit geringer Klebekraft, die aber ausreichte, um leichte Gegenstände wie Papier auf glatten Oberflächen haften zu lassen, und der dabei rückstandsfrei wieder entfernt werden konnte. Dafür gab es aber zunächst keinen offensichtlichen sinnvollen Einsatz.
„Damals ging es uns darum, wirkungsvollere, stärkere und kräftigere Klebstoffe zu entwickeln. Diese neue Entdeckung entsprach den Vorgaben überhaupt nicht."
Dr. Spencer Silver, Quelle: Die Geschichte der Post-it® Notes
Der Innovationsmoment: Erst Jahre später erinnerte sich Art Fry an ein Seminar von Dr. Silver, dass dieser Klebstoff perfekt für Lesezeichen geeignet sein könnte und ihm helfen könnte, seine Notizzettel in seinem Gesangbuch zu befestigen, die bisher immer herausfielen. Durch die Kombination der Erfindung (Klebstoff) mit einem praktischen Nutzen (Haftnotizen) entstand die Innovation. Zunächst wurde die Innovation bei 3M intern „ausprobiert und für gut befunden".
Das Marketing: Um 1980 konnte das 3M-Management überzeugt werden, und es begann die Vermarktung der Post-it zuerst unter dem Namen „Press 'n Peel" in vier Städten – zunächst ohne Erfolg. Erst als das Marketing seine Strategie änderte und das Produkt durch massenhafte Verteilung und Vorführung in der Stadt Boise in Idaho („Boise Blitz") einer größeren Öffentlichkeit bekannt machte, ging das Produkt viral, und der Erfolg stellte sich ein und besteht bis heute fort.
Warum spricht 3M von einer technologiegetriebenen Innovation?
Technology Push
Innovationen können zunächst einmal aufgrund des bloßen Vorhandenseins der dafür erforderlichen Technologien entstehen. Hier ist der Fortschritt in der Technologie, also der Technologieschub, entscheidend für den Innovationsschub. Daher wird dieser Auslöser auch als „Technology Push" bezeichnet. Technology-Push-Innovationen führen meist zu sprunghaften, „radikalen" Änderungen. Der Zweck bleibt unverändert, es stehen aber neue Technologien zur Zweckerfüllung bereit (Franken & Franken, 2020, S. 250).
Quelle: INNO/H – Einführung in das Innovationsmanagement, S. 12
Kennzeichnend für Innovationen aus dem „Technology Push" sind folgende typische Kriterien:
- Potenzielle Applikationen für die konkreten Neuerungen sind nur zum Teil bekannt.
- Es liegt eine größere Unsicherheit vor im Hinblick auf die Reaktionen von Kunden bzw. des Marktes, da deren Bedürfnisse nicht der Ausgangspunkt der Neuerung waren.
- Typische Innovationen führen zu umfassenden Veränderungen, sind also oft Radikalinnovationen.
Quelle: INNO/H – Einführung in das Innovationsmanagement, S. 13
Weitere Kriterien: neue Technologie, Innovationen werden oft im F&E-Bereich von Unternehmen initiiert, der Markt muss erst erschlossen werden (höhere Unsicherheit), Erfolgsfaktor Innovationskultur.
Wie sich die Kriterien am Beispiel Post-it belegen lassen
Das Unternehmen 3M spricht bei Post-it von einer technologiegetriebenen Innovation, da hier eine neue technologische Entwicklung (der Klebstoff) die Basis für die Innovation war – und nicht etwa eine explizite Kundenanforderung.
- Potenzielle Applikationen waren nur zum Teil bekannt: Weder gab es einen konkreten Auftrag noch eine sinnvolle Anwendung zum Zeitpunkt der Erfindung. Dies ist ein typisches Merkmal für eine Push-Technologie, da der Markt für Post-it erst erkannt werden musste.
- Größere Unsicherheit im Hinblick auf Kunden bzw. Markt: Von 1968 bis 1974 war Dr. Silver auf der Suche nach einer sinnvollen Anwendung seiner Erfindung. Erst durch seinen Kollegen Fry, der damit das Problem der herausfallenden Notizzettel aus seinem Gesangbuch lösen konnte, war eine erste sinnvolle Anwendung gefunden.
- Umfassende Veränderungen, oft Radikalinnovationen: Durch Post-it konnte 3M die bis dahin nicht vorhandene Produktkategorie ablösbarer Haftnotizen schaffen. Diese werden heute im Alltag, im Büro, in Schule und Studium zur Kommunikation, Organisation, für Kreativprozesse und Kanban-Boards eingesetzt und haben die Prozesse der Kommunikation und Aufgabenorganisation verändert und vereinfacht.
- Neue Technologie – Innovationen entstehen oft im F&E-Bereich: Der Klebstoff wurde in der internen Forschungsabteilung bei 3M durch Dr. Silver entwickelt, ohne konkreten Forschungsauftrag.
- Markt muss erschlossen werden / höhere Unsicherheit: 3M testete die Post-it zuerst intern im eigenen Unternehmen, danach relativ erfolglos in vier Städten, und erst nach einem Marketing-Strategie-Wechsel (Boise-Blitz) konnte sich das Produkt durchsetzen.
- Erfolgsfaktor Innovationskultur: Das Unternehmen 3M kann als Best Practice für die Schaffung eines innovativen Klimas gelten: Bei 3M können Mitarbeitende je nach Funktion einen festen Anteil ihrer bezahlten Arbeitszeit für die Generierung und Ausarbeitung eigener Ideen und Projekte einsetzen, ohne darüber Rechenschaft ablegen zu müssen. Mitarbeitende können so zu „Intrapreneuren" werden – ein Begriff, der sich aus „Intracorporate" (unternehmensintern) und „Entrepreneur" (Unternehmer) zusammensetzt (Gaubinger, 2021, S. 45).
Quelle: INNO/H – Einführung in das Innovationsmanagement, S. 58
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